Warum der Change Coordinator die BBC erfolgreich macht

Warum der Change Coordinator die BBC erfolgreich macht

Die Medienbranche steht vor einem Veränderungsprozess. Dieser scheint der britischen BBC gut zu gelingen. Woran liegt das? Ist die Lösung vielleicht ganz einfach ein „Change Coordinator“? Sam Whipple hat die Position inne und sprach beim Frankfurter Tag des Online-Journalismus darüber.

Was macht eigentlich ein Change Coordinator? Die Antwort sei laut Sam Whipple, der diese Position bei der BBC inne hat, recht einfach. Er behandelt die Menschen nicht als Esel oder verallgemeinert als Lasttiere. Denn:

„If you treat people like donkeys they behave like donkeys.“

Zu gut Deutsch: Wenn man Menschen wie Esel behandelt, verhalten sie sich wie Esel. Deshalb sei die wichtigste Regel für einen Change Coordinator genau dies nicht zu tun. „What we need is a happy Journalist“. Was Whipple damit meint, zeigt das Beispiel seiner Arbeit bei der BBC.

Was ein Change Coordinator bei der BBC macht

Im Jahr 2008 seien Online, TV und Radio bei der BBC noch komplett getrennt gewesen. Jedes Medium habe eigene Konferenzen gehabt. Wenn ein Onliner wissen wollte, was etwa die TV-Kollegen als Thema haben, habe er sich wie ein Spion heimlich in deren Sitzungen schleichen müssen.

Dann seien jedoch die Pläne für den Multimedia-Newsroom bei der BBC gewachsen. Ein solcher Newsroom wurde eingeführt und die Stelle eines Multi-Mediaredakteurs geschaffen. Doch, so Whipple: Man kann Menschen nebeneinander setzen, aber deshalb müssen sie sich noch lange nicht miteinander austauschen. Was wurde daraufhin bei der BBC gemacht?

Job Swapping bei der BBC

Die Briten haben Hunderte von Mitarbeitern dazu gebracht, ihren Job mit Kollegen aus einer anderen Abteilung zu tauschen. Ja, sie haben die Journalisten dazu gebracht, deren Job zu machen und damit mit deren Augen auf die Probleme in der BBC zu schauen. Radio-Journalisten wurden TV-Journalisten. TV-Journalisten produzierten Inhalte für den  Online-Auftritt. Whipple koordinierte dieses Job-Swapping.

Und die Mitarbeiter? Ein Teil habe es gemocht, andere waren froh den Job der Kollegen nach einer bestimmten Zeit nicht mehr machen zu müssen. Aber: Das Verständnis zwischen Online, TV und Radio wuchs.

Wie kannst du die Mitarbeiter glücklich machen?

Als 2012 schließlich die BBC in den neuen Newsroom im Broadcasting House umzog, sei es Whipples Aufgabe gewesen, die Menschen mitzunehmen und auf die anstehenden Änderungen vorzubereiten. Andere kümmerten sich um die Räume und die Technik, er kümmerte sich um die Menschen.

Was muss ein Change Coordinator in so einer Situation tun? Whipples Antwort:

Du musst schauen, wie du die Menschen unterstützen kannst. Wie kannst du sie glücklich machen?

Leitlinien eines Change Coordinators

Diese beiden Fragen sind offenbar so etwas wie die Leitlinien und die Jobbeschreibung eines Change Coordinators. Whipple wiederholt sie mehrfach. Damit hat die BBC erkannt, dass Veränderungen eine große Belastung für die Mitarbeiter sind und der Frust, der dadurch entstehen kann, nicht einfach so mit der Zeit verfliegen wird. Das ist ein Schritt, den so manches deutsche Medienhaus lernen und gehen sollte.

Sam Whipple, Change Coordinator bei der BBC
Sam Whipple von der BBC
Foto: Martin Krauß

Unter der Leitung des Change-Koordinators wurden für jede Position präzise Jobbeschreibungen verfasst und dann wurde, so berichtete Sam Whipple von der BBC beim Frankfurter Tag des Online-Journalismus, individuell auf die Mitarbeiter geschaut, wie diese unterstützt werden können. Was brauchen diese Kollegen?

Ein Transformationskoordinator – so Whipples scherzhafte Übersetzung ins Deutsche – macht also Redakteure glücklich, während diese den Belastungen des Veränderungsprozesses ausgesetzt sind. Das gelingt, weil er die Menschen nicht wie Arbeitsvieh betrachtet. In Whipples Worten: „Culture change is where we need to go. Stop change programs.“ (dt. Wir brauchen einen Kulturwandel. Das ist es, was wir anstreben müssen. Change-Programme sollten wir stoppen.)

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